Schulformübergreifende Digitalisierung in Mecklenburg-Vorpommern: Fallstudie zur Zusammenarbeit mit dem IQ M-V 2021-2027

Zwischen 2021 und 2027 begleitet das Calleo-Institut im Auftrag des Instituts für Qualitätsentwicklung Mecklenburg-Vorpommern (IQ M-V) die landesweite Digitalisierung der Schulen. In dieser Zeit wurden bislang 215 Kollegien mit insgesamt 5.309 Lehrkräften in über 2.000 Online-Fortbildungen geschult. Die folgende Fallstudie beleuchtet die Ausgangslage, die besonderen Herausforderungen, die Vereinbarung mit dem Ministerium sowie die zentralen Ergebnisse.

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Autor: Stefan von Burggraf Frieling

Geschäftsführer des Calleo Instituts

Inhaltsverzeichnis

1. Ausgangslage und Herausforderungen

Zu Beginn der Corona-Pandemie 2020 führte das Calleo Institut im Auftrag des Bildungsministeriums Mecklenburg-Vorpommern erste Online-Fortbildungen für interessierte Lehrkräfte durch. Diese boten praxisnahe Unterstützung zu unterschiedlichen Unterrichtsphasen und Fächern und stießen auf positive Resonanz. Der Kontakt mit dem IQ M-V wurde daraufhin intensiviert.

Auf dieser Grundlage entstand während der Pandemie ein digitales Schulungssystem, das Lehrkräfte gezielt dabei unterstützen sollte, ihren Unterricht unter den besonderen Bedingungen dieser Zeit digital zu gestalten. In den folgenden anderthalb Jahren nutzten rund 6.000 Lehrkräfte – nahezu die Hälfte der Lehrkräfte im Land – die bereitgestellten Videokurse, um geeignete Programme kennenzulernen und im Distanzunterricht einzusetzen.

Obgleich die Erklärvideos von den Schulen mehrheitlich sehr positiv aufgenommen wurde, äußerten viele zugleich den Wunsch nach einer tiefergehenden, schulformspezifischen und nachhaltigen Fortbildungsreihe. Sie sollte die individuellen Ausgangspunkte einzelner Kollegien stärker berücksichtigen und durch den Einsatz schulerfahrender Dozenten einen klaren Praxisbezug sicherstellen – ein Format, das es in Mecklenburg-Vorpommern bis dahin noch nicht gab und das im Hinblick auf Umfang und Reichweite deutschlandweit eine Besonderheit darstellt.

Bei der Entwicklung einer landesweiten Fortbildungsreihe mussten mehrere Herausforderungen berücksichtigt werden:

  • Heterogene Ausstattung: Manche Schulen verfügten bereits über interaktive Tafeln oder Tablets, andere arbeiteten mit BeamernLaptops oder nach dem bring-your-own-device-Prinzip.
  • Unterschiedliche Schulformen: Grundschulen, Regionale Schulen, Förderschulen und Gymnasien stellten sehr unterschiedliche methodische Anforderungen an überfachlichen und fachspezifischen Medieneinsatz.
  • Datenschutz und Passgenauigkeit: Eingesetzte Schulprogramme mussten sowohl den Datenschutzvorgaben entsprechen als auch didaktisch zu den jeweiligen Schulformen passen.
  • Eigenes Tempo der Schulen: Kollegien sollten die Möglichkeit haben, erst dann einzusteigen, wenn die technische Ausstattung vorhanden und ein sinnvoller Startpunkt gegeben war.
  • Aktive Umsetzung: Lehrkräfte sollten nicht nur passiv Inhalte in Form von Erklärvideos aufnehmen, sondern aktiv eigene Unterrichtsszenarien entwickeln und ausprobieren, damit das Gelernte nachhaltig in den Unterricht übertragen werden kann.

Von Beginn an war vorgesehen, die Fortbildungsreihe allen Schulen des Landes zu öffnen. Zugleich bestand Einigkeit, dass eine wissenschaftlich begleitete Evaluation des Ministeriums die Grundlage für den flächendeckenden Rollout bilden sollte. Deshalb startete das Projekt 2021 mit einer Pilotphase an vier ausgewählten Schulen, die als Basis für die landesweite Einführung diente.

2. Aufbau und Durchführung der Fortbildungsreihe 2021–2027

Pilotstudie, Vorbereitung und Struktur der Fortbildungsreihe

Im Schuljahr 2021/22 begann eine einjährige Pilotphase an vier Schulen: einer Förderschule, einer Grundschule, einer Regionalen Schule und einem Gymnasium. Das Projekt wurde wissenschaftlich durch das IQ M-V begleitet und ausgewertet, die Ergebnisse anschließend dem Bildungsministerium vorgelegt. Die Evaluation der Seminare durch das Ministerium zeigte ein klares Bild: 92 % der beteiligten Lehrkräfte gaben an, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten in der Planung und Durchführung digitalen Unterrichts maßgeblich erweitern zu können und diese für die zukünftige Gestaltung ihrer Arbeit nutzen zu wollen. Auf Basis dieser Ergebnisse beschloss das Ministerium, die Zusammenarbeit mit dem Calleo Institut in Form eines fünfjährigen Projekts landesweit fortzusetzen.

Die Finanzierung der gesamten Fortbildungsreihe wurde vollständig durch das Land übernommen. Damit entstanden für die Schulen keinerlei Eigenkosten, was eine gleichberechtigte Teilnahme unabhängig von der finanziellen Situation des jeweiligen Schulträgers sicherstellte. Die Fortbildungsreihe war so konzipiert, dass sie pro Schule in der Regel ein Schuljahr (etwa zwölf Monate) umfasste. Um den Rollout vorzubereiten, organisierte das Ministerium zentrale Informationsveranstaltungen für Schulleitungen, in denen Aufbau und Ablauf vorgestellt wurden. Auf dieser Grundlage konnten sich Schulen mit ihrem gesamten Kollegium freiwillig anmelden.

Die Fortbildungsreihe setzte sich aus drei zentralen Bestandteilen zusammen: fächerübergreifenden Grundlagenseminaren, fachspezifischen Aufbauseminaren sowie einem digitalen Schulungssystem, das den Schulen und Lehrkräften über einen Zeitraum von zehn Jahren zur Nachbereitung und Vertiefung zur Verfügung steht.

Fächerübergreifende Grundlagenseminare

Den Beginn der Fortbildungsreihe bildeten die fächerübergreifenden Grundlagenseminare. Ziel war es, Lehrkräfte praxisnah und mit Blick auf die Vorkenntnisse und Bedürfnisse der jeweiligen Kollegien an die digitale Gestaltung ihres Unterrichts in den verschiedenen Unterrichtsphasen heranzuführen.

Schwerpunkte waren unter anderem:

  • Unterrichtsvor- und Nachbereitung
  • Klassenführung und Wissensvermittlung
  • Erarbeitungsphasen und Schülerprodukte
  • Diagnostik und Wissensüberprüfung
  • Individuelle Förderung

Die Einteilung der Lehrkräfte erfolgte vor der Fortbildung zweistufig:

  1. Gruppierung nach Kompetenzniveau und Tempo – Lehrkräfte konnten sich mithilfe einer Gruppeneinteilung anhand bestimmter Kriterien selbst den Gruppen für Einsteiger, Fortgeschrittene oder weit Fortgeschrittene zuordnen und damit das Tempo wählen, das zu ihrem digitalen Vorwissen passte.
  2. Inhaltliche Schwerpunktsetzung innerhalb der Gruppen – durch eine detaillierte Vorabfrage konnten die Gruppen selbst bestimmen, welche Themen für sie im Vordergrund stehen sollten und auf welchem Niveau diese bearbeitet werden.

Die Seminare wurden wie bereits in der Pilotstudie ausschließlich online durchgeführt – in Absprache mit dem Ministerium und auf Grundlage der positiven Erfahrungen aus über 50 Online-Fortbildungen, die Calleo seit 2020 für das IQ M-V angeboten hatte. Dabei handelte es sich nicht um passive Vorträge, sondern um aktive Formate, bei denen Lehrkräfte unter der Anleitung der Dozenten die vorgestellten Lehrprogramme selbst ausprobierten und Aufgaben bearbeiteten. Kamera- und Mikrofoneinsatz waren verbindlich, und alle Teilnehmenden erhielten im Vorfeld Hinweise zur technischen Vorbereitung. Dieses Format hat sich durchgehend bewährt.

Um einen reibungslosen Ablauf zu sichern, konnten die Schulleitungsteams ihre Termine in Absprache mit dem Calleo Veranstaltungsmanagement selbst wählen. Die ermöglichte besonders den Kollegien an weiterführenden Schulen, die Fortbildungen zu günstigen Zeitpunkten und außerhalb von Prüfungsphasen, Elternsprechtagen und Klassenfahrten zu absolvieren. Viele Schulen entschieden sich bei diesem Vorgehen für die Durchführung an zwei Nachmittagen, andere für einen klassischen SchilF-Tag – jeweils so, dass der reguläre Schulbetrieb möglichst wenig beeinträchtigt wurde.

Themen- und fachspezifische Aufbauseminare

Daran schlossen sich themen- und fachspezifische Aufbauseminare an. Sie hatten jeweils einen Umfang von drei Stunden und konnten von den Lehrkräften frei nach ihren fachlichen Interessen und didaktisch-methodischen Präferenzen gewählt werden.

Die Vorbereitung erfolgte durch eine bedarfsgerechte Vorabfrage in jedem Kollegium. So konnte jede Schule die Seminare buchen, die für sie tatsächlich relevant waren. Die Teilnahme war freiwillig – und bemerkenswert war, dass über 30 % der Lehrkräfte zusätzlich zu den bei den meisten Schulen als verpflichtend kommunizierten Fortbildungen noch weitere Seminare belegten, um sich vertieft fortzubilden.

Organisation, Durchführung und Qualitätssicherung

In enger Abstimmung mit dem IQ M-V wurde die Fortbildungsreihe so gestaltet, dass sie eine hohe Individualisierung erlaubte:

  • Jede Schule konnte eigene Schwerpunkte wählen – orientiert an Ausstattung, Kenntnisstand und pädagogischen Prioritäten.

  • Die Terminwahl richtete sich nach den Bedürfnissen der Schulen und ihrem Kalender.

  • Für die Durchführung in den Grundlagenseminaren wurden verstärkt Dozentinnen und Dozenten mit Erfahrung in der jeweiligen Schulform eingesetzt.

  • In den fachspezifischen Aufbauseminaren wurden Dozenten eingesetzt, die diese Fächer selbst an ihrer Schule unterrichten.

3. Ergebnisse und Resonanz

Bis Ende 2025 haben bereits mehr als 215 Schulen und rund 5.300 Lehrkräfte die Fortbildungsreihe durchlaufen – damit hat bereits die Hälfte aller staatlichen Schulen Mecklenburg-Vorpommerns das Programm genutzt.

Die Rückmeldungen zeigten, dass das Projekt in der Breite sehr positiv aufgenommen wurde, insbesondere weil mehrere Institutionen eng zusammenwirkten: Das IQ M-V, das Medienpädagogische Zentrum (MPZ), das Bildungsministerium sowie das Calleo-Institut. Diese Kooperation stellte sicher, dass sowohl datenschutzrechtliche Anforderungen als auch organisatorische Fragen jederzeit zuverlässig berücksichtigt wurden.

Darüber hinaus zeigte sich: Auch nach Ablauf des Rahmenvertrags können die Schulen weiterhin auf die Inhalte zurückgreifen. Über die Schulungsplattform haben alle teilnehmenden Lehrkräfte für zehn Jahre Zugriff auf Materialien, Praxisbeispiele und vertiefende Inhalte.

Schon in den Abschlussgesprächen 2024/2025 äußerten über 90 % der Schulen, dass sie sich eine Fortführung des Formats in Form regelmäßiger Vertiefungen wünschen. Zudem wandten sich viele Schulen direkt mit Folgebedarfen an das Calleo Institut, die in Abstimmung mit dem Ministerium umgesetzt werden konnten.

Zentrale Erkenntnisse

Aus der Gesamtauswertung lassen sich vier zentrale Erkenntnisse ableiten:

  • Fachliche Nähe: Besonders Schulen mit speziellen Bedarfen (z. B. Förderschulen) profitierten davon, dass Fachlehrkräfte mit Erfahrung in der jeweiligen Schulform die Seminare durchführten.

  • Weiterentwicklung: Die Fortbildungsreihe entwickelte sich dynamisch weiter – etwa durch neue Schwerpunkte wie den Einsatz von Künstlicher Intelligenz – und passte sich den aktuellen Bedürfnissen der Schulen an.

  • Timing entscheidend: Der Erfolg war besonders groß, wenn die Fortbildung zeitlich mit der technischen Ausstattung der Schule zusammenfiel.

  • Hohe Akzeptanz: Die Resonanz trotz Digitalpakt-Stress und Pandemie zeigt, dass langfristig angelegte, flexible Formate deutlich mehr Zustimmung erzeugen als kurzfristige Pflichtmaßnahmen.

4. Resümee und Ausblick

Mit der Umsetzung in Mecklenburg-Vorpommern ist ein Projekt gelungen, das den Herausforderungen einer heterogenen Schullandschaft gerecht wird und dennoch landesweit Wirkung entfaltet. Die Resonanz bestätigt: Digitalisierung in Schulen lässt sich erfolgreich gestalten, wenn sie an den konkreten Bedarfen ansetzt und institutionell getragen wird – durch die enge Kooperation von IQ M-V, MPZ, Bildungsministerium und Calleo. Damit hat Mecklenburg-Vorpommern gezeigt, dass schulformübergreifende Digitalisierung nicht nur möglich ist, sondern bei klarer Strukturierung und Kooperation nachhaltig Wirkung entfalten kann. Die Fallstudie macht deutlich, dass sich daraus auch für andere Länder ein zukunftsweisendes Modell ableiten lässt.

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Autor: Stefan von Burggraf Frieling

Geschäftsführer des Calleo Instituts

Stefan Burggraf von Frieling ist als Dozent an über 20 Universitäten tätig und ausgebildeter Gymnasiallehrer. Als Geschäftsführer des Calleo Instituts berät er Kultusministerien, Schulen und Führungskräfte in der Schullandschaft in den Bereichen Strategiemanagement, Digitalisierung & Lernpsychologie.

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