Lehrergesundheit bedarfsorientiert gestalten

Fallstudie zur Planung und Durchführung eines Fortbildungstags an der staatlichen Sekundarschule Halle-Süd​

Die folgende Fallstudie zeigt, wie die staatliche Sekundarschule Halle-Süd gemeinsam mit dem Calleo Institut einen Fortbildungstag zum Thema Lehrergesundheit geplant, vorbereitet und durchgeführt hat. Der Fortbildungstag bildete den Auftakt einer mehrteiligen Fortbildungsreihe im Rahmen des Startchancen-Programms. Dargestellt werden die Ausgangslage der Schule, die systematische Bedarfsanalyse, die daraus abgeleitete Konzeptentwicklung, die Durchführung sowie die Ergebnisse des Formats.

geschulte Lehrkräfte
0
durchgeführte Fortbildungen
0
Dozentinnen und Dozenten
0
Picture of Autor: Stefan von Burggraf Frieling
Autor: Stefan von Burggraf Frieling

Geschäftsführer des Calleo Instituts

Inhaltsverzeichnis

1. Ausgangslage und Zielsetzung

Das Schulleitungsteam der Sekundarschule Halle-Süd wandte sich im ersten Halbjahr 2026, also im laufenden Schuljahr 2025/26, an das Calleo Institut, um eine Fortbildungsreihe für das Kollegium zu planen. Als Startchancen-Schule standen für die Schule mehrere Entwicklungsschwerpunkte im Raum, darunter Diagnostik, Unterrichtsqualität, digitale Unterstützung und fachspezifische Weiterentwicklung. Den Auftakt der Reihe sollte jedoch zunächst ein Fortbildungstag zum Thema Lehrergesundheit bilden. Ausschlaggebend war, dass Lehrergesundheit im Kollegium ausdrücklich als relevantes Thema benannt worden war und viele Lehrkräfte sich hierzu Unterstützung wünschten. Die konkrete Zusammenarbeit startete im Februar 2026 mit der grundlegenden Planung der Reihe, der Terminabstimmung und der Klärung der Zielsetzung für das erste Modul.

Für das Schulleitungsteam war von Beginn an wichtig, die Belastungssituation im Kollegium nicht nur allgemein aufzugreifen, sondern die unterschiedlichen Perspektiven der Lehrkräfte ernst zu nehmen. Neben Fragen der persönlichen Entlastung sollten auch Belastungsfaktoren im Unterricht, Herausforderungen in der Kommunikation, Möglichkeiten der Arbeitsentlastung sowie Aspekte der Zusammenarbeit im Kollegium und zwischen Kollegium und Schulleitung berücksichtigt werden. Zu Beginn stand unter anderem die Möglichkeit im Raum, einen gemeinsamen Impuls für das gesamte Kollegium anzubieten, etwa zu Zeitmanagement oder Stressbewältigung. Gleichzeitig sollte die Fortbildung so geplant werden, dass die Lehrkräfte möglichst dort abgeholt werden, wo ihre tatsächlichen Belastungen und Unterstützungsbedarfe liegen.

Das erste Modul sollte damit nicht nur einen allgemeinen Einstieg in Lehrergesundheit bieten, sondern eine tragfähige Grundlage für die weitere Fortbildungsreihe schaffen. Ziel war es, die Bedarfe des Kollegiums genauer zu erfassen, daraus ein passendes Fortbildungsformat zu entwickeln und zugleich Hinweise für die weitere Schulentwicklung in den kommenden Monaten und Schuljahren zu gewinnen.

2. Systematische Bedarfsanalyse und Konzeptentwicklung

Gerade beim Thema Lehrergesundheit zeigen sich an Schulen häufig sehr unterschiedliche Bedarfe. Bei Themen wie Diagnostik, Unterrichtsentwicklung oder Medieneinsatz kann es sinnvoll sein, gemeinsame Standards im Kollegium zu entwickeln und alle Lehrkräfte mit einem ähnlichen Schwerpunkt niveaudifferenziert fortzubilden. Lehrergesundheit ist dagegen oft stärker von individuellen Belastungsfaktoren geprägt. Manche Lehrkräfte suchen vor allem nach besserer Struktur, Prioritätensetzung und Entlastung bei wiederkehrenden Aufgaben. Andere benötigen Unterstützung im Umgang mit emotional belastenden Situationen, schwierigen Gesprächen oder Konflikten im Unterricht. Wieder andere erleben Belastungen stärker körperlich oder wünschen sich konkrete Strategien, um ihre Gesundheit zu erhalten und ihre berufliche Handlungsfähigkeit im Schulalltag langfristig zu sichern.

Aus diesem Grund bildet beim Calleo Institut eine vorgeschaltete Potenzialanalyse standardmäßig die Grundlage für die Planung schulinterner Fortbildungstage. Sie hilft dabei, nicht nur allgemeine Themenwünsche zu erfassen, sondern die konkrete Ausgangslage eines Kollegiums differenzierter zu verstehen. Im Fall der Sekundarschule Halle-Süd war diese Analyse besonders wichtig, weil bereits in der Vorbereitung deutlich wurde, dass Lehrergesundheit mit verschiedenen Belastungen, Erwartungen und Unterstützungswünschen verbunden war.

Potenzialanalyse als Grundlage der Planung

Für die Sekundarschule Halle-Süd wurde eine auf Lehrergesundheit ausgerichtete, anonymisierte Potenzialanalyse eingesetzt, in der die Lehrkräfte Rückmeldungen zu ihrer Arbeitssituation, zu individuellen Belastungsfaktoren, zur Unterrichtsvorbereitung und Unterrichtsnachbereitung, zu Herausforderungen im Unterricht, zur Elternarbeit, zu digitaler Unterstützung und zu weiteren schulischen Entwicklungsfeldern geben konnten. Die Potenzialanalyse fand mehrere Monate vor dem Fortbildungstag statt, damit die Ergebnisse ausgewertet und anschließend in ein passendes Konzept überführt werden konnten. Auf Wunsch des Schulleitungsteams wurden zusätzliche Fragen aufgenommen, unter anderem zu Entlastungsmaßnahmen, zur Zusammenarbeit im Kollegium und zum Miteinander zwischen Kollegium und Schulleitung.

Vor der Durchführung der Potenzialanalyse wurde das Vorgehen im April in einer Videokonferenz mit dem gesamten Kollegium vorgestellt. Dabei wurden die Fortbildungsreihe, die Funktion der anonymisierten Abfrage und der weitere Planungsprozess erläutert. Die Lehrkräfte konnten nachvollziehen, warum ihre Rückmeldungen für die spätere Themenauswahl wichtig waren, wie der Fortbildungstag in die Reihe eingebettet werden sollte und welche Möglichkeiten es gab, eigene Bedarfe einzubringen. Damit wurde zugleich der rote Faden der Fortbildungsreihe sichtbar, und das Kollegium hatte die Möglichkeit, Nachfragen zum weiteren Vorgehen zu stellen.

Auswertung und Fortbildungsdesign

Die Auswertung der Potenzialanalyse im Mai zeigte eine deutlich heterogene Bedarfslage. Rund 75 Prozent des Kollegiums gaben eine hohe bis sehr hohe Arbeitsbelastung an. Etwa die Hälfte der Lehrkräfte berichtete, dass Unterrichtsstörungen häufig oder sehr häufig auftreten, und 60 Prozent nahmen Unterrichtsstörungen als belastend oder sehr belastend wahr. Als weitere Belastungsfaktoren wurden unter anderem Konflikte mit Schülerinnen und Schülern, Arbeitsverweigerung, Elternarbeit, Versammlungen, kurzfristige Beratungen sowie Unterrichtsvorbereitung und Unterrichtsnachbereitung benannt. Auch im Bereich digitaler und KI-gestützter Arbeit wurden konkrete Bedarfe sichtbar: Etwa 50 Prozent der Lehrkräfte fühlten sich unsicher oder sehr unsicher bei der Bewertung von Schülerleistungen im Zusammenhang mit KI, und 63 Prozent wünschten sich Angebote zur digitalen Unterstützung bei der Wissensüberprüfung im Unterricht, insbesondere durch Verfahren, die Korrektur und Auswertung von Schülerleistungen erleichtern.

3. Durchführung des Fortbildungstags

Der Fortbildungstag fand im Juli 2026 vor Ort an der Sekundarschule Halle-Süd statt. Insgesamt wurden zehn Fortbildungsimpulse angeboten, die von fünf Dozentinnen und Dozenten des Calleo Instituts durchgeführt wurden. Alle Referierenden waren selbst Lehrkräfte und brachten neben ihrer fachlichen Expertise eigene schulpraktische Erfahrung in die Arbeit mit dem Kollegium ein. Die Lehrkräfte nahmen jeweils an einem Vormittags- und einem Nachmittagsimpuls teil. 

Die Einteilung erfolgte auf Grundlage der vorherigen Themenwahl, sodass möglichst viele Kolleginnen und Kollegen entsprechend ihrer Interessen und Bedarfe teilnehmen konnten. Die Impulse fanden in Kleingruppen statt, damit fachlicher Input, Austausch, Rückfragen und praktische Erprobung gut miteinander verbunden werden konnten.

Inhaltlich griff der Fortbildungstag die unterschiedlichen Belastungs- und Entlastungsbereiche auf, die sich in der Bedarfsanalyse gezeigt hatten. Dabei lassen sich drei Schwerpunkte unterscheiden:

  1. Physische Gesundheit, Stressregulation und Gesundheitsprophylaxe: Ein Teil der Impulse beschäftigte sich mit der Frage, wie Lehrkräfte Belastungen im Schulalltag frühzeitiger wahrnehmen, regulieren und gesundheitsförderliche Routinen entwickeln können. Dazu gehörten unter anderem Atem- und Entspannungsübungen, Gesundheitsprophylaxe und Aspekte der Resilienz. In Absprache mit dem Schulleitungsteam wurden diese Formate teilweise in unterschiedlichen Lernsettings durchgeführt: Theoretische Einordnung, Reflexion und Austausch fanden zunächst im Klassenraum statt, während praktische Übungen anschließend in der angrenzenden Turnhalle umgesetzt werden konnten.
  2. Handlungssicherheit in Kommunikation und Unterricht: Weitere Impulse richteten den Blick auf wiederkehrende Belastungssituationen im pädagogischen Alltag. Dabei ging es unter anderem um den Umgang mit Unterrichtsstörungen, herausfordernde Situationen mit Schülerinnen und Schülern, professionelle Elternarbeit sowie die Frage, was Lehrkräfte tun können, um die Motivation von Schülerinnen und Schülern im Unterricht gezielt zu stärken. Diese Themen verbanden persönliche Entlastung mit konkreten Handlungsstrategien für Situationen, die im Schulalltag häufig als belastend erlebt werden.
  3. Arbeitserleichterung durch digitale Medien und Künstliche Intelligenz: Ein weiterer Schwerpunkt lag auf digitalen und KI-gestützten Möglichkeiten, Lehrkräfte in unterschiedlichen Phasen des Lehr- und Unterrichtsalltags zu entlasten. In der Vorbereitung ging es unter anderem um die Erstellung, Anpassung und Binnendifferenzierung von Unterrichtsmaterialien. Für den Unterricht selbst wurden Möglichkeiten digitaler Heftführung, anschaulicher Wissensvermittlung und interaktiver Lernstandserhebung aufgegriffen. Dabei stand im Mittelpunkt, eigene Materialien digital zu strukturieren, sie im Unterricht flexibler mit Schülerinnen und Schülern zu nutzen und Lernstände durch digitale Wissensüberprüfungen mit automatischer Auswertung leichter sichtbar zu machen. Vertiefende KI-Impulse behandelten außerdem Anwendungsmöglichkeiten für individuelle Förderung, Differenzierung, Unterrichtsnachbereitung und Korrekturprozesse. Aufgrund der unterschiedlichen Vorkenntnisse im Kollegium wurden einzelne Themenfelder bewusst niveaudifferenziert angeboten, damit sowohl Lehrkräfte mit wenig als auch substanziellen digitalen Vorkenntnissen passende Impulse erhielten. Alle Fortbildungsimpulse wurden im Anschluss anonymisiert evaluiert.

4. Evaluation, Rückmeldungen und weiteres Vorgehen

Die Rückmeldungen zum Fortbildungstag fielen außerordentlich positiv aus. Da die Lehrkräfte jeweils ihre besuchte Vormittags- und Nachmittagsveranstaltung evaluierten, lagen insgesamt 86 anonymisierte Einzelrückmeldungen vor. Die durchschnittliche Bewertung lag bei 4,6 von 5 Sternen. 94,19 Prozent der Rückmeldungen bewerteten die jeweilige Veranstaltung mit gut oder ausgezeichnet, keine Rückmeldung lag im Bereich unzufrieden oder sehr unzufrieden. Nahezu alle Rückmeldungen bestätigten zudem, dass die Teilnehmenden ihre Fähigkeiten und Kenntnisse durch die Seminare erweitern konnten. Auch die didaktische Durchführung wurde in der Detailauswertung nahezu durchgehend positiv bewertet.

Die schriftlichen Rückmeldungen hoben besonders die Praxisnähe, die fachliche Kompetenz der Referierenden, die freundliche Atmosphäre sowie die Verbindung von Theorie und Anwendung hervor. Mehrere Teilnehmende beschrieben, dass sie konkrete Hinweise für den Schulalltag, neue Ansätze für die eigene Arbeit und hilfreiche Übungen mitnehmen konnten. Die Rückmeldungen sprechen zugleich dafür, dass das Kollegium das bedarfsorientierte Format konstruktiv angenommen hat. Gerade bei einem Fortbildungstag zur Lehrergesundheit ist dies ein wichtiger Faktor: Die Wirksamkeit eines solchen Formats hängt nicht nur von der thematischen Passung ab, sondern auch davon, dass Lehrkräfte bereit sind, eigene Belastungen zu reflektieren, neue Methoden zu erproben und gemeinsam an Fragen der Arbeitsfähigkeit, Unterrichtspraxis und schulischen Entlastung weiterzuarbeiten.

Im anschließenden Reflexionsgespräch wurden die Evaluationsergebnisse gemeinsam mit der Schulleitung eingeordnet. Dabei zeigte sich, dass die unterschiedlichen Formate des Fortbildungstags gut angenommen wurden und zugleich neue bzw. weiterführende Bedarfe sichtbar wurden. Dies betraf unter anderem den Bereich Künstliche Intelligenz: Mehr Lehrkräfte als zuvor äußerten Interesse daran, KI für Unterrichtsvorbereitung, Materialerstellung und Arbeitserleichterung zu nutzen. Zugleich wurde der Wunsch deutlich, die Anwendung stärker fachspezifisch zu vertiefen, etwa mit Blick auf Differenzierung, Lernstandserhebung, Rückmeldung und Korrekturprozesse. Diese Hinweise werden in den nächsten Modulen der dreiteiligen Fortbildungsreihe aufgegriffen. Ab Herbst 2026 wird die Zusammenarbeit im zweiten Modul zur Unterrichtsentwicklung fortgeführt. Dabei werden sowohl die ursprünglich vereinbarten Startchancen-Schwerpunkte der Schule als auch Bedarfe berücksichtigt, die im ersten Fortbildungstag sichtbar geworden sind. So schließt das nächste Modul an die Ergebnisse des Auftakts an und führt die Arbeit an Lehrergesundheit, Unterrichtsentwicklung und konkreter Entlastung im Schulalltag weiter.

Inhaltsverzeichnis

Picture of Autor: Stefan von Burggraf Frieling
Autor: Stefan von Burggraf Frieling

Geschäftsführer des Calleo Instituts

Stefan Burggraf von Frieling ist als Dozent an über 20 Universitäten tätig und ausgebildeter Gymnasiallehrer. Als Geschäftsführer des Calleo Instituts berät er Kultusministerien, Schulen und Führungskräfte in der Schullandschaft in den Bereichen Strategiemanagement, Digitalisierung & Lernpsychologie.

Logo Calleo Institut große Variante
Unsere Aufgabe

Wir unterstützen Lehrkräfte bundesweit dabei, ihren Unterricht mithilfe von erfolgsbewährten, praxisnahen Konzepten nachhaltig zu verbessern und durch den Einsatz digitaler Medien noch lernwirksamer und spannender zu gestalten.

Ausgezeichnet von
Erfahrungen & Bewertungen zu Calleo Institut
Fallstudien

Vereinbaren Sie jetzt Ihre kostenlose Erstberatung

Erfahren Sie, welches Fortbildungskonzept für Ihre Schule das richtige ist.

Jetzt zur kostenlosen Beratung

Fill out my online form.

Oder direkt Kontakt Aufnehmen:

Oder direkt Kontakt aufnehmen:

Calleo Institut Logo