Die folgende Fallstudie zeigt, wie die staatliche Sekundarschule Halle-Süd gemeinsam mit dem Calleo Institut einen Fortbildungstag zum Thema Lehrergesundheit geplant, vorbereitet und durchgeführt hat. Der Fortbildungstag bildete den Auftakt einer mehrteiligen Fortbildungsreihe im Rahmen des Startchancen-Programms. Dargestellt werden die Ausgangslage der Schule, die systematische Bedarfsanalyse, die daraus abgeleitete Konzeptentwicklung, die Durchführung sowie die Ergebnisse des Formats.
Geschäftsführer des Calleo Instituts
Das Schulleitungsteam der Sekundarschule Halle-Süd wandte sich im ersten Halbjahr 2026, also im laufenden Schuljahr 2025/26, an das Calleo Institut, um eine Fortbildungsreihe für das Kollegium zu planen. Als Startchancen-Schule standen für die Schule mehrere Entwicklungsschwerpunkte im Raum, darunter Diagnostik, Unterrichtsqualität, digitale Unterstützung und fachspezifische Weiterentwicklung. Den Auftakt der Reihe sollte jedoch zunächst ein Fortbildungstag zum Thema Lehrergesundheit bilden. Ausschlaggebend war, dass Lehrergesundheit im Kollegium ausdrücklich als relevantes Thema benannt worden war und viele Lehrkräfte sich hierzu Unterstützung wünschten. Die konkrete Zusammenarbeit startete im Februar 2026 mit der grundlegenden Planung der Reihe, der Terminabstimmung und der Klärung der Zielsetzung für das erste Modul.
Für das Schulleitungsteam war von Beginn an wichtig, die Belastungssituation im Kollegium nicht nur allgemein aufzugreifen, sondern die unterschiedlichen Perspektiven der Lehrkräfte ernst zu nehmen. Neben Fragen der persönlichen Entlastung sollten auch Belastungsfaktoren im Unterricht, Herausforderungen in der Kommunikation, Möglichkeiten der Arbeitsentlastung sowie Aspekte der Zusammenarbeit im Kollegium und zwischen Kollegium und Schulleitung berücksichtigt werden. Zu Beginn stand unter anderem die Möglichkeit im Raum, einen gemeinsamen Impuls für das gesamte Kollegium anzubieten, etwa zu Zeitmanagement oder Stressbewältigung. Gleichzeitig sollte die Fortbildung so geplant werden, dass die Lehrkräfte möglichst dort abgeholt werden, wo ihre tatsächlichen Belastungen und Unterstützungsbedarfe liegen.
Das erste Modul sollte damit nicht nur einen allgemeinen Einstieg in Lehrergesundheit bieten, sondern eine tragfähige Grundlage für die weitere Fortbildungsreihe schaffen. Ziel war es, die Bedarfe des Kollegiums genauer zu erfassen, daraus ein passendes Fortbildungsformat zu entwickeln und zugleich Hinweise für die weitere Schulentwicklung in den kommenden Monaten und Schuljahren zu gewinnen.
Gerade beim Thema Lehrergesundheit zeigen sich an Schulen häufig sehr unterschiedliche Bedarfe. Bei Themen wie Diagnostik, Unterrichtsentwicklung oder Medieneinsatz kann es sinnvoll sein, gemeinsame Standards im Kollegium zu entwickeln und alle Lehrkräfte mit einem ähnlichen Schwerpunkt niveaudifferenziert fortzubilden. Lehrergesundheit ist dagegen oft stärker von individuellen Belastungsfaktoren geprägt. Manche Lehrkräfte suchen vor allem nach besserer Struktur, Prioritätensetzung und Entlastung bei wiederkehrenden Aufgaben. Andere benötigen Unterstützung im Umgang mit emotional belastenden Situationen, schwierigen Gesprächen oder Konflikten im Unterricht. Wieder andere erleben Belastungen stärker körperlich oder wünschen sich konkrete Strategien, um ihre Gesundheit zu erhalten und ihre berufliche Handlungsfähigkeit im Schulalltag langfristig zu sichern.
Aus diesem Grund bildet beim Calleo Institut eine vorgeschaltete Potenzialanalyse standardmäßig die Grundlage für die Planung schulinterner Fortbildungstage. Sie hilft dabei, nicht nur allgemeine Themenwünsche zu erfassen, sondern die konkrete Ausgangslage eines Kollegiums differenzierter zu verstehen. Im Fall der Sekundarschule Halle-Süd war diese Analyse besonders wichtig, weil bereits in der Vorbereitung deutlich wurde, dass Lehrergesundheit mit verschiedenen Belastungen, Erwartungen und Unterstützungswünschen verbunden war.
Für die Sekundarschule Halle-Süd wurde eine auf Lehrergesundheit ausgerichtete, anonymisierte Potenzialanalyse eingesetzt, in der die Lehrkräfte Rückmeldungen zu ihrer Arbeitssituation, zu individuellen Belastungsfaktoren, zur Unterrichtsvorbereitung und Unterrichtsnachbereitung, zu Herausforderungen im Unterricht, zur Elternarbeit, zu digitaler Unterstützung und zu weiteren schulischen Entwicklungsfeldern geben konnten. Die Potenzialanalyse fand mehrere Monate vor dem Fortbildungstag statt, damit die Ergebnisse ausgewertet und anschließend in ein passendes Konzept überführt werden konnten. Auf Wunsch des Schulleitungsteams wurden zusätzliche Fragen aufgenommen, unter anderem zu Entlastungsmaßnahmen, zur Zusammenarbeit im Kollegium und zum Miteinander zwischen Kollegium und Schulleitung.
Vor der Durchführung der Potenzialanalyse wurde das Vorgehen im April in einer Videokonferenz mit dem gesamten Kollegium vorgestellt. Dabei wurden die Fortbildungsreihe, die Funktion der anonymisierten Abfrage und der weitere Planungsprozess erläutert. Die Lehrkräfte konnten nachvollziehen, warum ihre Rückmeldungen für die spätere Themenauswahl wichtig waren, wie der Fortbildungstag in die Reihe eingebettet werden sollte und welche Möglichkeiten es gab, eigene Bedarfe einzubringen. Damit wurde zugleich der rote Faden der Fortbildungsreihe sichtbar, und das Kollegium hatte die Möglichkeit, Nachfragen zum weiteren Vorgehen zu stellen.
Die Auswertung der Potenzialanalyse im Mai zeigte eine deutlich heterogene Bedarfslage. Rund 75 Prozent des Kollegiums gaben eine hohe bis sehr hohe Arbeitsbelastung an. Etwa die Hälfte der Lehrkräfte berichtete, dass Unterrichtsstörungen häufig oder sehr häufig auftreten, und 60 Prozent nahmen Unterrichtsstörungen als belastend oder sehr belastend wahr. Als weitere Belastungsfaktoren wurden unter anderem Konflikte mit Schülerinnen und Schülern, Arbeitsverweigerung, Elternarbeit, Versammlungen, kurzfristige Beratungen sowie Unterrichtsvorbereitung und Unterrichtsnachbereitung benannt. Auch im Bereich digitaler und KI-gestützter Arbeit wurden konkrete Bedarfe sichtbar: Etwa 50 Prozent der Lehrkräfte fühlten sich unsicher oder sehr unsicher bei der Bewertung von Schülerleistungen im Zusammenhang mit KI, und 63 Prozent wünschten sich Angebote zur digitalen Unterstützung bei der Wissensüberprüfung im Unterricht, insbesondere durch Verfahren, die Korrektur und Auswertung von Schülerleistungen erleichtern.
Der Fortbildungstag fand im Juli 2026 vor Ort an der Sekundarschule Halle-Süd statt. Insgesamt wurden zehn Fortbildungsimpulse angeboten, die von fünf Dozentinnen und Dozenten des Calleo Instituts durchgeführt wurden. Alle Referierenden waren selbst Lehrkräfte und brachten neben ihrer fachlichen Expertise eigene schulpraktische Erfahrung in die Arbeit mit dem Kollegium ein. Die Lehrkräfte nahmen jeweils an einem Vormittags- und einem Nachmittagsimpuls teil.
Die Fortbildung war sehr gelungen. Der erfahrungsbasierte Input der Dozentin, der intensive Austausch und die vielen konkreten Beispiele haben zahlreiche Anregungen für den eigenen Unterricht gegeben.
Die Durchführung der Veranstaltung war freundlich, kompetent und praxisnah.
Eine gute Veranstaltung, bei der ich mich entspannen konnte. Die ruhige Art der Dozentin hat mir sehr gefallen.
Das Seminar war sehr gut, weil es informativ war. Vielen Dank, es hat Spaß gemacht!
Sehr gute Hinweise zur Entspannung. Insgesamt hat mir die Veranstaltung sehr gut gefallen.
Besonders hat mir gefallen, dass der Dozent genau auf unsere Bedürfnisse eingegangen ist und eine ausgewogene Mischung dargeboten hat aus Präsentation und der Möglichkeit, selbstständig die Werkzeuge auszuprobieren.
Die Veranstaltung hat mir sehr gut gefallen. Die Dozentin war gut vorbereitet und der Ablauf interessant gestaltet. Der Wechsel zwischen Theorie und Praxis ist sehr gelungen.
Sehr gut. Anhand von Beispielen wurden uns verschiedene Methoden zur Entspannung und Stressbewältigung erklärt und nahegebracht.
Die Fortbildung hat mir sehr gut gefallen, da man in den offenen Austausch mit Kollegen und der Dozentin gehen konnte. Außerdem war es hilfreich, Lösungsstrategien an die Hand zu bekommen.
Der Kurs war hilfreich, weil die Erklärungen verständlich waren und ausreichend Zeit zum Üben bestand. Die Dozentin half gezielt bei Fragen.
Die Einteilung erfolgte auf Grundlage der vorherigen Themenwahl, sodass möglichst viele Kolleginnen und Kollegen entsprechend ihrer Interessen und Bedarfe teilnehmen konnten. Die Impulse fanden in Kleingruppen statt, damit fachlicher Input, Austausch, Rückfragen und praktische Erprobung gut miteinander verbunden werden konnten.
Inhaltlich griff der Fortbildungstag die unterschiedlichen Belastungs- und Entlastungsbereiche auf, die sich in der Bedarfsanalyse gezeigt hatten. Dabei lassen sich drei Schwerpunkte unterscheiden:
Die Rückmeldungen zum Fortbildungstag fielen außerordentlich positiv aus. Da die Lehrkräfte jeweils ihre besuchte Vormittags- und Nachmittagsveranstaltung evaluierten, lagen insgesamt 86 anonymisierte Einzelrückmeldungen vor. Die durchschnittliche Bewertung lag bei 4,6 von 5 Sternen. 94,19 Prozent der Rückmeldungen bewerteten die jeweilige Veranstaltung mit gut oder ausgezeichnet, keine Rückmeldung lag im Bereich unzufrieden oder sehr unzufrieden. Nahezu alle Rückmeldungen bestätigten zudem, dass die Teilnehmenden ihre Fähigkeiten und Kenntnisse durch die Seminare erweitern konnten. Auch die didaktische Durchführung wurde in der Detailauswertung nahezu durchgehend positiv bewertet.
Die schriftlichen Rückmeldungen hoben besonders die Praxisnähe, die fachliche Kompetenz der Referierenden, die freundliche Atmosphäre sowie die Verbindung von Theorie und Anwendung hervor. Mehrere Teilnehmende beschrieben, dass sie konkrete Hinweise für den Schulalltag, neue Ansätze für die eigene Arbeit und hilfreiche Übungen mitnehmen konnten. Die Rückmeldungen sprechen zugleich dafür, dass das Kollegium das bedarfsorientierte Format konstruktiv angenommen hat. Gerade bei einem Fortbildungstag zur Lehrergesundheit ist dies ein wichtiger Faktor: Die Wirksamkeit eines solchen Formats hängt nicht nur von der thematischen Passung ab, sondern auch davon, dass Lehrkräfte bereit sind, eigene Belastungen zu reflektieren, neue Methoden zu erproben und gemeinsam an Fragen der Arbeitsfähigkeit, Unterrichtspraxis und schulischen Entlastung weiterzuarbeiten.
Wir sind mit der Veranstaltung außerordentlich zufrieden. Die Rückmeldungen des Kollegiums waren durchweg positiv. Besonders hervorgehoben wurden die hohe fachliche Kompetenz der Referierenden, die praxisnahe Gestaltung der Workshops sowie die gelungene Verbindung von Theorie und praktischer Anwendung. Die Inhalte waren verständlich aufbereitet, unmittelbar auf den Schulalltag übertragbar und boten zahlreiche neue Impulse für die Unterrichtsgestaltung.
Im anschließenden Reflexionsgespräch wurden die Evaluationsergebnisse gemeinsam mit der Schulleitung eingeordnet. Dabei zeigte sich, dass die unterschiedlichen Formate des Fortbildungstags gut angenommen wurden und zugleich neue bzw. weiterführende Bedarfe sichtbar wurden. Dies betraf unter anderem den Bereich Künstliche Intelligenz: Mehr Lehrkräfte als zuvor äußerten Interesse daran, KI für Unterrichtsvorbereitung, Materialerstellung und Arbeitserleichterung zu nutzen. Zugleich wurde der Wunsch deutlich, die Anwendung stärker fachspezifisch zu vertiefen, etwa mit Blick auf Differenzierung, Lernstandserhebung, Rückmeldung und Korrekturprozesse. Diese Hinweise werden in den nächsten Modulen der dreiteiligen Fortbildungsreihe aufgegriffen. Ab Herbst 2026 wird die Zusammenarbeit im zweiten Modul zur Unterrichtsentwicklung fortgeführt. Dabei werden sowohl die ursprünglich vereinbarten Startchancen-Schwerpunkte der Schule als auch Bedarfe berücksichtigt, die im ersten Fortbildungstag sichtbar geworden sind. So schließt das nächste Modul an die Ergebnisse des Auftakts an und führt die Arbeit an Lehrergesundheit, Unterrichtsentwicklung und konkreter Entlastung im Schulalltag weiter.
Geschäftsführer des Calleo Instituts
Stefan Burggraf von Frieling ist als Dozent an über 20 Universitäten tätig und ausgebildeter Gymnasiallehrer. Als Geschäftsführer des Calleo Instituts berät er Kultusministerien, Schulen und Führungskräfte in der Schullandschaft in den Bereichen Strategiemanagement, Digitalisierung & Lernpsychologie.
Wir unterstützen Lehrkräfte bundesweit dabei, ihren Unterricht mithilfe von erfolgsbewährten, praxisnahen Konzepten nachhaltig zu verbessern und durch den Einsatz digitaler Medien noch lernwirksamer und spannender zu gestalten.
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