Künstliche Intelligenz und digitale Unterrichtsmethoden sinnvoll im Unterrichtsalltag einsetzen

Fallstudie zur Planung und Durchführung einer schulinternen Fortbildung an der Oberschule Varrel

Als die Oberschule Varrel im Jahr 2025 eine Fortbildungsreihe zu Künstlicher Intelligenz und digitalen Unterrichtsmethoden plante, knüpfte die Schulleitung an eine frühere Erfahrung mit dem Calleo Institut an. Schulleiterin Carola Labbus hatte bereits 2021 als Einzelteilnehmerin eine Veranstaltung des Instituts besucht. Einige Jahre später suchte die Schule nach einer praxisnahen Fortbildung für das gesamte Kollegium. Ausgangspunkt war ein klar formulierter Wunsch der Lehrkräfte: „Der Wunsch und Bedarf wurde durch das Kollegium an die Schulleitung herangetragen, da KI gerade in der weiterführenden Schule immer mehr Raum einnimmt.“

Gemeinsam mit der Schulleitung wurde daraufhin eine zweistufige Fortbildungsreihe entwickelt. Sie verbindet eine schulinterne Fortbildung zur Einführung in Künstliche Intelligenz und zu fächerübergreifenden digitalen Unterrichtsmethoden mit späteren fachspezifischen Aufbauseminaren. Die Fallstudie beschreibt die Vorbereitung und Planung der Reihe, die Durchführung der ersten schulinternen Fortbildung, die Ergebnisse des Fortbildungstages und die daraus abgeleitete weitere Planung.

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Autor: Stefan von Burggraf Frieling

Geschäftsführer des Calleo Instituts

Inhaltsverzeichnis

1. Ausgangslage und Zielsetzung

Künstliche Intelligenz und digitale Medien können Lehrkräfte bei der Planung von Unterrichtseinheiten, der Erstellung und Anpassung fachspezifischer Materialien, der Entwicklung binnendifferenzierter Aufgaben, bei Korrekturprozessen und bei der Wissensvermittlung unterstützen. Generative KI verändert zugleich die Bedingungen, unter denen Aufgaben, Erarbeitungsphasen und Leistungsbewertungen gestaltet werden. Schülerinnen und Schüler können Texte, Präsentationen und weitere Arbeitsergebnisse innerhalb kurzer Zeit mithilfe von KI erstellen. Lehrkräfte benötigen deshalb geeignete Aufgabenstellungen und Bewertungsverfahren, mit denen fachliche Lernprozesse, eigenständige Leistungen und individuelle Kompetenzen weiterhin erkennbar und fair beurteilt werden können. Für die Oberschule Varrel bildeten sowohl die mögliche Arbeitserleichterung für die Lehrkräfte als auch die Weiterentwicklung einer zeitgemäßen Unterrichts-, Aufgaben- und Bewertungskultur zentrale Ausgangspunkte der Fortbildungsplanung.

Fortbildungsreihen des Calleo Instituts zu Künstlicher Intelligenz und digitalem Medieneinsatz sind häufig zweistufig aufgebaut. In einem fächerübergreifenden Grundlagenseminar entwickelt das gesamte Kollegium zunächst gemeinsame Vorgehensweisen und schulweit anschlussfähige Standards für den lernwirksamen und arbeitserleichternden Einsatz digitaler Methoden. An der Oberschule Varrel wurde dieser Teil als schulinterner Fortbildungstag im zweiten Halbjahr des Schuljahres 2025/26 geplant. Im Anschluss greifen fachspezifische Aufbauseminare die unterschiedlichen didaktischen und methodischen Anforderungen der einzelnen Unterrichtsfächer auf. Der Einsatz von KI und digitalen Unterrichtsmethoden wird im Mathematikunterricht anders gestaltet als im Deutschunterricht, in den Fremdsprachen oder in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern. Diese Vertiefungen sind für das Schuljahr 2026/27 vorgesehen und werden auf Grundlage einer gesonderten Bedarfsabfrage im Kollegium geplant.

2. Gruppeneinteilung, Potenzialanalyse und Fortbildungsdesign

Zu Beginn der Zusammenarbeit wurden dem gesamten Kollegium in einer Videokonferenz die Ziele, der zweistufige Aufbau und alle vorgesehenen Planungsschritte der Fortbildungsreihe vorgestellt. Dadurch konnten die Lehrkräfte das weitere Vorgehen nachvollziehen und eigene Fragen frühzeitig einbringen. Zu den erläuterten Schritten gehörten die Gruppeneinteilung nach digitalen Vorkenntnissen und die anonymisierte Potenzialanalyse, die beim Calleo Institut standardmäßig zur Planung eines Fortbildungstages durchgeführt wird.

Potenzialanalyse als Grundlage der Planung

Gerade beim Einsatz digitaler Medien und Künstlicher Intelligenz bestehen innerhalb von Kollegien häufig erhebliche Unterschiede. Diese betreffen die vorhandenen Kenntnisse, die Häufigkeit und Qualität der Nutzung sowie die Unterrichtsbereiche, in denen digitale Anwendungen bereits eingesetzt werden. Im Rahmen der Videokonferenz mit dem Kollegium ordneten sich die Lehrkräfte deshalb anhand ihrer Erfahrungen mit digitalen Medien einer von vier beschriebenen Niveaustufen zu. Aus diesen Angaben wurden zwei Fortbildungsgruppen gebildet. Die im weiteren Planungsverlauf durchgeführte Potenzialanalyse erfasste ergänzend, in welchem Umfang die Lehrkräfte digitale Unterrichtsmethoden bereits kannten und in verschiedenen Bereichen ihres Unterrichtsalltags einsetzten. Berücksichtigt wurden dabei unter anderem die Unterrichtsvorbereitung und Unterrichtsnachbereitung, die Erstellung und Korrektur von Materialien, Erarbeitungs- und Präsentationsphasen, Diagnostik und Lernstandsermittlung sowie Feedback und individuelle Förderung.

Auswertung und Fortbildungsdesign

Abhängig von den Ergebnissen einer Potenzialanalyse entscheidet sich das Schulleitungsteam in Absprache mit dem Calleo Institut für unterschiedliche Formen der Durchführung. Bei stark voneinander abweichenden Bedarfen können die Lehrkräfte am Vormittag und am Nachmittag zwischen verschiedenen Angeboten wählen. Andere Fortbildungstage verbinden einen verbindlichen gemeinsamen Teil mit frei wählbaren Vertiefungen. An der Oberschule Varrel bestätigte die Auswertung den vom Schulleitungsteam benannten Bedarf an einer Einführung in Künstliche Intelligenz und an zeitgemäßen Aufgaben- und Prüfungsformaten. Jeweils 84 Prozent der beteiligten Lehrkräfte wünschten sich Unterstützung bei der Einführung in KI beziehungsweise bei der Wissensüberprüfung. 68 Prozent sahen Fortbildungsbedarf bei einer zeitgemäßen Aufgabenkultur. Die Potenzialanalyse zeigte zusätzlich ein schulisches Entwicklungspotenzial beim formativen Feedback, da ein großer Teil des Kollegiums Rückmeldungen zum Unterricht selten und fast ausschließlich mündlich oder handschriftlich erhob.

Auf dieser Grundlage wurden drei gemeinsame Schwerpunkte für den Fortbildungstag festgelegt: der Einsatz von KI zur Unterstützung der Unterrichtsarbeit, die Gestaltung zeitgemäßer Erarbeitungs-, Aufgaben- und Prüfungsformate sowie die Weiterentwicklung von Wissensüberprüfung und formativem Feedback. Gleichzeitig zeigte die Auswertung, dass die Lehrkräfte bei diesen Themen auf unterschiedlichen Wissensständen aufbauten, verschiedene Anwendungen nutzten und andere Fragen in den Vordergrund stellten. In der gemeinsamen Auswertung mit dem Schulleitungsteam wurde deshalb vereinbart, beide Gruppen zu denselben Themen zu schulen und die inhaltlichen Schwerpunkte, Anwendungsbeispiele, Aufgabenstellungen und das Vermittlungstempo an die jeweiligen Vorkenntnisse und Bedarfe anzupassen.

3. Durchführung des Fortbildungstags

Die schulinterne Fortbildung fand am 8. April 2026 vor Ort an der Oberschule Varrel statt. Die 22 Lehrkräfte arbeiteten in den beiden zuvor gebildeten Niveaugruppen. Eine Dozentin und ein Dozent des Calleo Instituts führten am Vormittag und am Nachmittag jeweils eine Veranstaltung pro Gruppe durch. Insgesamt fanden damit vier Fortbildungen statt. Beide Gruppen beschäftigten sich mit denselben übergeordneten Themen, während Vermittlungstempo, Beispiele, Aufgabenstellungen und praktische Arbeitsphasen an die jeweiligen Vorkenntnisse angepasst wurden.

Am Vormittag stand der Einsatz Künstlicher Intelligenz bei der Planung und Vorbereitung von Unterrichtseinheiten im Mittelpunkt. Beide Gruppen arbeiteten daran, fachspezifische und binnendifferenzierte Materialien und Aufgaben zu erstellen, Korrekturprozesse zu unterstützen und KI für die Elternkommunikation einzusetzen. Die Einsteigergruppe erhielt mehr Zeit für grundlegende Fragen zur Funktionsweise, zu Chancen und Grenzen, zum Datenschutz sowie zur Optimierung der Ergebnisse. Die fortgeschrittene Gruppe arbeitete in höherem Tempo und vertiefte insbesondere die Entwicklung fachspezifischer Prompts sowie die Erstellung und Anpassung von Text- und Bildmaterialien.

Am Nachmittag ging es um zeitgemäße Erarbeitungs-, Aufgaben- und Prüfungsformate sowie um Wissensüberprüfung und formatives Feedback. Die Lehrkräfte setzten sich damit auseinander, wie Lernaufgaben unter den Bedingungen generativer KI gestaltet werden können und welche digitalen Anwendungen sich für die selbstständige Erarbeitung und Präsentation von Lerninhalten eignen. Ergänzend erprobten sie Möglichkeiten, Lernstände sowie Rückmeldungen zur Verständlichkeit des Unterrichts, zum Lernklima und zum individuellen Unterstützungsbedarf regelmäßig zu erheben. Auch hierbei unterschieden sich die Beispiele, die fachliche Vertiefung und das Arbeitstempo zwischen den beiden Niveaugruppen.

Die Veranstaltungen verbanden fachliche und wissenschaftlich fundierte Impulse mit praktischen Erarbeitungsphasen und einer gemeinsamen didaktischen Reflexion. Dabei wurde eingeordnet, aus welchen didaktischen Gründen sich bestimmte Methoden für einzelne Unterrichtsphasen eignen und welchen Beitrag sie zur Wissensvermittlung und Lernwirksamkeit leisten können. Die ausgewählten Programme waren kostenfrei nutzbar und vorab mit der Schule unter datenschutzrechtlichen Gesichtspunkten abgestimmt. Während der Erarbeitungsphasen konnten die Lehrkräfte die Anwendungen selbst ausprobieren, eigene Materialien entwickeln und Fragen aus ihrem Unterrichtsalltag einbringen. Dabei wurde unmittelbar erfahrbar, dass sich einzelne Arbeitsschritte schneller umsetzen ließen als zunächst erwartet. Die anschließenden Reflexionsphasen dienten dazu, den konkreten Nutzen für den Unterricht, die Grenzen einzelner Anwendungen und mögliche Arbeitserleichterungen gemeinsam einzuordnen.

4. Evaluation und weitere Planung

Die Lehrkräfte konnten ihre Vormittags- und Nachmittagsveranstaltungen jeweils separat und anonym bewerten. Insgesamt gingen 41 Einzelbewertungen ein. Rund 90 Prozent der Rückmeldungen bewerteten die besuchte Veranstaltung mit vier oder fünf von fünf Sternen und damit als gut oder ausgezeichnet. 83 Prozent der hierzu abgegebenen Antworten stimmten vollständig oder überwiegend der Aussage zu, dass sie ihre Kenntnisse und Fähigkeiten durch die Fortbildung erweitern konnten. Besonders häufig hervorgehoben wurden die praxisbezogenen Beispiele, die verständliche Vermittlung, die Möglichkeit zum eigenen Ausprobieren und die konkreten Hinweise zur Nutzung Künstlicher Intelligenz im Unterrichtsalltag.

Auch das Schulleitungsteam bewertete den ersten Fortbildungstag und die Auswahl der Referierenden positiv:

Mit der schulinternen Fortbildung wurde der fächerübergreifende Teil der Reihe umgesetzt. Für das Schuljahr 2026/27 schließt sich eine Bedarfsabfrage zu den fachspezifischen Vertiefungen an. Die Lehrkräfte können darin angeben, in welchen Fächern und zu welchen didaktischen Schwerpunkten sie weitere Unterstützung wünschen. Auf dieser Grundlage werden die Aufbauseminare an den fachlichen Anforderungen und den konkreten Bedarfen des Kollegiums ausgerichtet.

Inhaltsverzeichnis

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Autor: Stefan von Burggraf Frieling

Geschäftsführer des Calleo Instituts

Stefan Burggraf von Frieling ist als Dozent an über 20 Universitäten tätig und ausgebildeter Gymnasiallehrer. Als Geschäftsführer des Calleo Instituts berät er Kultusministerien, Schulen und Führungskräfte in der Schullandschaft in den Bereichen Strategiemanagement, Digitalisierung & Lernpsychologie.

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Wir unterstützen Lehrkräfte bundesweit dabei, ihren Unterricht mithilfe von erfolgsbewährten, praxisnahen Konzepten nachhaltig zu verbessern und durch den Einsatz digitaler Medien noch lernwirksamer und spannender zu gestalten.

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